Dienstag, 16. September 2014

Warum Schulsozialarbeit so wichtig ist

Schon länger ist die Schulsozialarbeit ein Thema in der Haushalsdebatte im Landtag NRW, denn "Mit der Aussage, die Kosten für die Schulsozialarbeit nicht zu übernehmen, hat Andrea Nahles den Ball vom Bund zurück an das Land NRW und die Kommunen gespielt." [1]

Und diese haben kein Konzept.
"Die Landesregierung hat trotz mehrmaligen Ankündigungen in den Verhandlungen mit dem Bund keine befriedigende Lösung der Finanzierung der Schulsozialarbeit in NRW erreicht. Bis heute ist kein schlüssiger Plan B bekannt und vorhanden. Die Landesregierung trägt die Verantwortung dafür, dass zum neuen Schuljahr vielerorts die erfolgreiche und von ihr selbst gelobte Schulsozialarbeit zusammengekürzt wird. Es ist nötig jetzt zu handeln und die nötigen Mittel bereit zu stellen und sie durch ein Landesprogramm auch für die nächsten Jahre sicherzustellen" [3]
Den Kommunen fehlt vielerorts das Geld. Andere Schulen haben nicht mal Schulsozialarbeiter.


Schulsozialarbeit ist einer der wichtigsten Sachen, die eine Schule braucht, finde ich.
Dafür gibt es ganz simple Gründe:

(Achtung, Zitat aus einem CDU Antrag)
"Die  Schulen, an denen Schulsozialarbeiter im Einsatz sind, wollen nicht  mehr auf ihre Arbeit verzichten. Ihre Aufgaben reichen von  Elterngesprächen und Hausbesuchen über die Zusammenarbeit mit den  Jugendämtern bis hin zu Suchtprävention und Unterstützung bei  Mobbingfällen. Nicht selten sind Schulsozialarbeiter in  Krisensituationen die einzig gewollten Gesprächspartner von Schülerinnen und Schülern. Sie erfüllen Aufgaben, die die Lehrerin-nen und Lehrer im  Schulalltag häufig nicht mehr leisten können. Schulsozialarbeiter schaffen daher Raum für die Kernaufgabe an den Schulen in Nordrhein-Westfalen, für das Unterrichten. Dies trifft vor allem auf Schulen zu, die aufgrund der Zusammensetzung ihrer Schüler-schaft besonders intensive pädagogische Arbeit leisten müssen, wie z. B. auf  Schulen in sozialen Brennpunktregionen." [2]

Ich hatte an meiner alten Realschule nur Vertrauenslehrer. Ganz normale Lehrer mit einer Fortbildung, die ich vielleicht sogar noch im Unterricht hatte.
Es waren zwei Lehrerinen. Ich kam mit beiden gut aus. Aber auf einer ganz anderen Ebene.

Ich hatte ein Problem. Nein, sogar mehrere kleine. Und ich wusste nicht wohin damit. 

Irgendwann habe ich mit zwei anderen Lehrerinnen gesprochen, denen ich vertraute. Zu einem meine damalige Klassenlehrerin und zum anderen meine Lieblingslehrerin.
Heute bereue ich das.

Im Grunde habe ich nicht mal richtig Hilfe bekommen.
Die Klassenlehrerin gab mir eine Telefonnummer bei der ich mich melden sollte, die Menschen da könnten mit weiter helfen. 
Als hätte ich da jemals angerufen... Als hätte ich jemals mit dem Gedanken gespielt dort anzurufen... Ich wollte mich keinen weltfremden Menschen anvertrauen. Nicht am Telefon. 

Erst im Laufe der Zeit erfuhr ich, dass Lehrer keine Schweigepflicht haben.
Und so haben diese sich mit meinen Eltern zusammen gesetzt.
Die Klassenlehrerin hat sogar dem Schulleiter davon unterrichtet. Eine Dritte Person, die mich kannte. Eine Person, wo ich nicht wollte, dass diese es erfährt.
Ich bin sauer und enttäucht, dass meine Eltern davon erfahren haben.
Das meine Lehrerinnen mein Vertrauen "missbraucht" haben.

Manchmal helfen nicht nur nette Worte, sondern Taten.
Aus diesem Misstrauensbruch heraus habe ich alles weitere totgeschwiegen.
Habe so getan, als wäre alles wieder gut.
Ich hatte keine Lust auf Gespräche mehr mit meinen Lehrern. 
Keine Lust auf dumme Fragen meiner Eltern.

Es ist wichtig, dass Kinder/Jugendliche neben Freundinnen und Freunde, Eltern und Lehrer noch eine Bezugsperson haben, die einfach da ist.
Eine Person, mit der sie nicht Tage und Nacht verbringen.
Eine Person, die nicht die Eltern sind, denn vor allem in der Pubertät wird die Beziehung zu den Eltern eine andere.
Und zu Lehrern haben, wie ich oft fest stellen durfte, viele Kinder/Jugendliche keine gute Beziehung. Lehrer sind Menschen die da sind um Dinge beizubringen. Und wollen in den Augen von den Kindern/Jugendlichen oft nichts Gutes (Hausaufgaben, Strafarbeiten etc.)
Viele Kinder/Jugendliche sind froh, wenn sie raus aus der Schule sind und die Lehrer nicht mehr sehen müssen.

Ich hätte damals Schulsozialarbeiter gebraucht. Dringend.

Nicht alle Kinder/Jugendliche sind in einem Jugendzentrum angebunden oder in anderen Einrichtungen der Kinder/Jugendarbeit. 
Und hier muss die Schulsozialarbeit einspringen.
Es reicht kein "Sorgentelefon" - Kinder/Jugendliche brauchen einen Menschen, der da ist, den man schon mal gesehen hat, den man kennt, der einen aufmundernt anlächelt.

Die Schulsozialarbeit muss dringend erhalten bleiben!



Sonntag, 31. August 2014

Gebärdensprache in der Gesellschaft - ein Muss?

Sprache ist das Kommunikationsgut Nummer 1. Egal ob wir mit einem Menschen sprechen, oder mit einem Endgerät. Überall benutzen wir eine Sprache.

Englisch ist die Weltsprache. Schon in der ersten Klasse lernen die Kinder Englisch.
Schlicht und einfach: Man soll überall auf der Welt mit jedem Menschen durch die Weltsprache Englisch kommunizieren können.
In höheren Stufen wird lateinisch, spanisch, franzözisch oder auch niederländich angeboten.

Dabei vergessen wir aber etwas ganz Wichtiges: Wir können nicht einfach mit gehörlosen kommunizieren.
Wir grenzen sie unbewusst aus. Dabei ist das sogar bewusst, weil wir daran nichts ändern.
Wir geben uns in der Gesellschaft und auch individuell keine Mühe Gebärdensprache zu lernen.

Haben wir jemanden in der Familie oder im Freundeskreis ist es unüberwindbar. 

Aber wieso kommen wir nicht auf die Idee, Gebärdensprache zu lernen? Einfach so?

Wir können nicht von Gehörlosen verlangen, dass sie unsere Wörter einwandfrei von der Lippe ablesen können.
Wir müssen aufeinander zu gehen.

Ich halte es für dringend notwendig, dass alle Menschen Gebärdensprache lernen. Zumindest die Grundlagen, um auf irgendeiner Weise mit gehörlosen Menschen zu kommunizieren.

In vielen Jobs kommt man in Berührung mit gehörlosen Menschen. 
Ich arbeite in einem Jugendzentrum und wieso sollte nicht auch dort jemand auftauchen, der gehörlos ist? 
Ich arbeite in der Gastro und da hatte ich bereits gehörlose Menschen als Gäste und war völlig überfordert.
Wie soll ich den richtig reagieren?
Zum Beispiel in Notsituationen? 


Grundlagen sind für mich zum Beispiel schlicht und einfach das ABC um damit Wörter/Sätze zu bilden und Fragen und Sätze für den Alltag.
"Brauchst du Hilfe?" 
"Alles in Ordnung?"
Dazu für jede Jobsparte andere Sätze.
Ein Mensch in der Jugendarbeit braucht eine andere Grundlage als jemand im Arbeitsamt.

Natürlich gibt es überall Möglichkeiten mit gehörlosen Menschen zu kommunizieren. Mit Händen und Füßen, auf Dinge zeigen oder Dinge aufzuschreiben.

Aber ist das nicht diskriminierend? 
Wieso lernen wir Fremdsprachen? Wir können uns mit Menschen aus anderen Ländern auch mit Händen und Füßen kommunizieren.

Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und mir verschiedene Ideen überlegt:


Idee 1 
Eine Art "Grundkurs" in Gebärensprache in den Klassen 5/6/7. Vielleicht auch schon eher. Aber ich glaube nicht später. Ich weiß nicht wie viele Stunden man braucht und ob man überhaupt einen "Grundkurs" deffinieren  kann. 
Ich meinte damit sowas wie die Buchstaben, die Zahlen und vielleicht einfache Sätze für den Alltag.

Idee 2 
Gebärdensprache in der (schulischen)Ausbildung mit in den Unterrichtsstoff zu bringen. In allen Arbeitsfeldern "kann urplötzlich mal" ein Gehörloser vor einem stehen. Und dann ist die Frage: Und jetzt? Zettelchen schreiben? Doof.

Idee 3
Für Menschen, die bereits ihre (schulische)Ausbildung beendet haben: Für die verschiedenen Jobs einen Weiterbildungskurs in Gebärdensprachen, die auf das Arbeitsfeld ausgerichtet sind. Optimal: mit Kostenübernahme

Idee 4 
(Dazu) Einen Kurs außerhalb der Schule anbieten. Was ich als eher schlechte Alternative gegenüber Idee 1 und 2/3 sehe, da viele womöglich gar keine Lust haben das zu machen und vielleicht noch gar nicht die Wichtigkeit davon einschätzen können.
Dabei wäre es wichtig, dass die Kurse nicht all zu teuer sind und vielleicht sogar gefördert werden. 

Ich glaube in der Theorie sind die Ideen recht "cool" und vor allem sinnvoll.
Eine andere Frage ist dann natürlich die Finanzierung aber womöglich noch eine andere Geschichte.

Daher würde ich erst mal wissen wollen, was Menschen, vor allem gehörlose Menschen und Menschen die sich im Bereich Gebärdensprache auskennen, von diesen Ideen halten. 

Gibt es eine Art Grundkurs? Und bringt das was?
Gibt es andere Alternativen?

Abschließend bleibt festzuhalten: Auf dem Weg zu Barrierefreiheit gibt es hier viel zu tun. Und sagen wir mal so: Das Geld ist dabei erst mal egal, weil die Idee als solches erst mal ausgereift und diskutiert werden sollten.

Sonntag, 22. Juni 2014

"Ich habe heute leider kein "Danke" für dich!"

Hallo ihr Lieben,

ich hätte nie gedacht, dass ein "Dankeschön" so viel Diskussionen auslösen kann. Ehrlich.

Nachdem ich letztes Jahr auf meinem ersten Bundesparteitag war und der BuVo dort entlastet wurde, war ich echt geschockt, dass es kein "Danke" der Basis gab. Das tut man einfach. Immer. Dazu später mehr.

Die @fidelisamica und ich hatten den Abend vor der Kommunalwahl bei lecker Bierchen bisschen gequatscht. Auch über dieses besagte "Danke" an den BuVo.

Sasa hat dann den Stein ins Rollen gebracht, ein Pad eröffnet und angefangen Leute anzuschreiben und gefragt ob sie sich an einem "Danke" beteiligen wollten. 

Im Grunde eine gute Idee aber ich finde es doof, dass sich einzelne Leute da zusammen tun und ein Danke sagen wollen und eine Kleinigkeit überreichen wollen. 
Es gehört sich, dass die ganze Basis "Danke" sagt. 
Diese oben genannte Aktion ist am Ende eine eher personenbezogene Aktion, die wieder viel Diskussion auslösen könnte.
Also haben wir mit einigen Leuten im Pad diskutiert die Landesvorstände zu fragen, ob sie sich an einem "Danke" beteiligen wollen.

MEIN Gedanke war einfach: Der LaVo vertritt einen Landesverband. Alle 16 Landesverbände = der Bund. Also sagt die ganze Basis danke indem der Landesverband einige Euros gibt.

Im Nachhinein ist es vielleicht sogar eine Aufgabe der BPT-Orga sich darum zu kümmern?!
Ich weiß es nicht. Vielleicht sollten wir darüber reden und es fest verankern. 

Im Dezember hatten wir einen BuVo gewählt, von dem viele angetan waren.
Es gab uns allen einen positiven Schubs.
Im Grunde wurde gute Arbeit geleistet - sie gefällt nur nicht jedem. Aber kann ein BuVo es immer jedem recht machen?

Ich glaube, alle haben ihr bestes gegeben. Es ist schwer eine breite Masse zu vertreten und ein Statement o.ä. zu finden, das jedem gefällt.
Das klappt nicht - aber das ist ok. Das gehört dazu.
Es ist vieles schief gelaufen. Daher ist es nur fair dann zu sagen:

"Danke für eure Arbeit und eure Zeit die ihr geopfert habt. Es war eine schwierige Zeit aber ihr habt versucht euer bestes zu geben. Nicht jedem haben eure ganzen Entscheidungen gefallen aber das ist normal und okay. *Blumen überreich*"

Kritik und Verbesserungsvorschläge kann jeder selber von sich geben. Aber bitte vernünftig.
Viele haben das gemacht - eher unvernünftig. Kein Danke Dafür.

Was ich um dieses ganze "Danke" noch total bescheuert finde:

An diverse LaVos wurde der Antrag gestellt, sich bei dem "kBuVo"(!) zu bedanken. 
(Meinem aktuellen Wissenstand nach:)
NRW hat abgelehnt.
BW und Sachsen zugestimmt.

Ich.. also..ähm. 
Das ist beides lustig:
NRW will dem kBuVo nicht danke sagen, weil viele in NRW deren Entscheidungen kritisiert haben. 
BW und Sachsen will nur dem kBuVo danken, weil sie sich weiter den Arsch aufgerissen haben und dem restlichen scheibar nicht, weil die total doof waren.

Es geht aber nicht darum ob euch oder der Basis gefällt was die gemacht haben.
Wie oben gesagt. Man sagt dann entsprechendes. 
Das wissen die selber.

Es ist auch nicht die feine Art zu sagen "Nö, wir sagen nicht danke" das ist unfair und das falsche Signal. 
Ich sage dem NRW LaVo ja auch nicht nicht Danke, nur weil diese diesen Antrag abgelehnt habt - oder weil sier hier und da doofe Entscheidungen getroffen haben. 
 
Jeder Vorstand reißt sich den Arsch auf, alle investieren Zeit und zeigen ihre Gesichter der Öffentlichkeit. Am Ende war es deren Entscheidung, natürlich.

Aber ich bedanke mich dafür bei euch. Weil ich es womöglich nicht tun würde und es irgendwen braucht der das tut.

Ich bitte euch alle darüber nachzudenken.
Ein Danke gehört sich. Immer. Da hat jemand einen Job erledigt und beendet seine Amtszeit. Hierfür sollten wir als Partei lernen einfach Danke zu sagen. Ob wir mit der Arbeit immer so einverstanden waren, spielt erstmal eine untergeordnete Rolle. Ein "Danke" tut nicht weh und ist eine Wertschätzung für geleistete Arbeit und investierte Zeit. 

Wie das dann abläuft, ist (mir) eigentlich egal. Ob es beim BuVo dann eben die Landesvorstände sind oder die BPT-Orga. 
Hauptsache, es nimmt jemand stellvertretend für die Partei in die Hand.

Sasa hat nun mit der Bundesgeschäftstelle gesprochen. Dort besorgt noch jemand Blumen und dazu wird noch was besorgt und die Orga ist auch mit einbezogen. 

Wir dürfen aber neben den Vorständen nicht alle anderen vergessen.
Alle, die im Hintergrund arbeiten und Sachen funktionieren lassen.
Sagen wir doch auch diesen Menschen einfach mal Danke.

Ich schäme mich dafür, dass hier immer nur gemeckert wird und nicht mal "Danke" gesagt wird, dass nicht ordentlich kritisiert wird sondern bei Fehlern immer drauf gehauen wird.
 
Wir müssen da mal was tun und vielleicht muss mal jeder sich selber reflektieren.
Habe ich schon mal danke gesagt?
Ist das alles so selbstverständlich?
 
Und jetzt steht auf oder nehmt das Telefon in die Hand oder die Tastatur unter die Hände und schreibt einer oder zwei oder drei oder vier oder fünf oder... Person/Personen "Danke".
Vielleicht einer Person, der ihr noch nie "Danke" gesagt habt. 
Ladet wen auf ein Bier ein. 
Gebt jemanden eine Umarmung oder ein offenes Ohr. 

Ohne diese vielen Menschen die da so viele Dinge tun, würden wir in keinem Rat oder Landtag sitzen, wir würden noch unkoordinierter durch unsere Partei irren und keine Parteitage haben geschweige denn irgendwelche Tools.
Irgendwann würde sich jemand hinsetzten und das machen, so, wie das vor ein paar Jahren gemacht wurde.
Aber dieser jemand steckt da eine Menge Arbeit rein. 

Bedankt euch. Richtig. Nicht in einer Liste, die ihr unterzeichnet. Sondern in einem Gespräch. Vielleicht sogar am Wochenende in Halle?!

Danke für eure Aufmerksamkeit.
 

Freitag, 20. Juni 2014

Zwei Blogs? Zwei Blogs!

Hallo,
mein Name ist Sandra oder auch Saendralein oder auch Sandra Ja.
Und ich habe nun zwei Blogs.

Zwei Blogs? Zwei Blogs!
Warum? Darum!

Auf www.saendralein.de findet ihr folgende Maske:




Ich möchte Privates und Politik trennen. Ich möchte aber vor allem auch Euch die Gelegenheit geben, zu entscheiden, was ihr von mir lesen wollt. 
Unter anderem darum, weil ich viele Follower habe, die mir nicht wegen der Piraten folgen - sie sind mir bereits vor den Piraten gefolgt.

Unter "Sandra Ja" findet ihr politiches Zeug. Sandra Ja ist mein fast vollständiger Name, den ich nicht Preis geben möchte. Irgendwann werde ich das womöglich machen müssen. Aber bis dahin ist noch Zeit. Lange Zeit. 
Unter "Saendralein" findet ihr mein privates Zeug und alles andere. Dafür suche ich noch einen anderen Namen. Aber das "kannnochJahredauern" <-- übrigens eine Idee dafür. Weil ich für Entscheidungen lange brauche. Grundsätzlich. 

Interessiert Ihr Euch eben nur für meine private Seite, dann lest nur das, was ich unter Saendralein veröffentliche. Interessiert Ihr Euch nur für meine politischen Blogposts, lest ihr nur Sandra Ja.
Unten im Feed ist beides zu finden in der Reihenfolge der letzten Posts.

Ich möchte Politik und Privates trennen. 
Das sind zwei Paar Schuhe. 
Das ist wie Job und Privates zu trennen. 
Das macht man auch. 
Mir ist das wichtig.

Man kann Politik und Privates nicht immer trennen. Natürlich nicht. Das ist schwer. 
Auch weil, wie ich finde, ein Politiker es ausmacht zu zeigen, dass man ein normaler Mensch ist.

Trotzdem möchte ich Dinge als Privatmensch sagen können ohne, dass es es direkt auf mein Partei zurück fällt. Weil ICH das sage und nicht alle anderen Piraten gleicher Ansicht sind. 
Wieso soll ich nur noch als ein Mensch einer Partei gesehen werden, wenn ich in einer Partei bin?
Man trägt Verantwortung. Natürlich. Trotzdem sollte man Dinge auch als Privatmensch sagen dürfen.

Ich wünsche mir das nicht nur für mich, sondern für alle andere. 
Was hat das mit Politik oder der Partei zu tun, wenn ein Mensch aus der Politik privat etwas zu heftig feiert und dann irgendetwas peinliches passiert? Hinfällt zum Beispiel. Genau: nichts!

Auf Twitter z.B. habe ich zwei Listen: Einmal nur Politik und einmal alles andere. 
Wenn ich keine Lust auf Politik habe, lese ich nur die andere Timeline. 
Das kommt in letzter Zeit öfter vor.

Es ist meine Entscheidung, was ich der Welt preisgebe. Und das tue ich auf Twitter und meinem Blog. Informationelle Selbstbestimmung.
Ich erzähle euch viel. Glaubt ihr. Ich erzähle euch vieles nicht. Das weiß ich.

Ich finde es ok, wenn interesse an meinem Privaten da ist. Das interessiert mich bei der ein oder anderen Person des öffentlichen Lebens auch.
Ich finde es ok euch zu erzählen wenn ich mal nicht so gut drauf bin, ich verletzt wurde oder geweint habe. Das macht mich als Mensch ja eben aus. 
Ich entscheide aber selber, wann genau ich das tue und auch auf welchem Blog. Es gibt Dinge die sind für die Politik einfach total unbedeutend. 

Die Trennung funktioniert in unserer Gesellschaft heute nicht, morgen wird  das auch nicht passieren und nächtes Jahr auch nicht - aber vielleicht irgendwann mal. Das wäre schön.

Freitag, 23. Mai 2014

Wahlplakate: Ist das sinnvoll oder kann das weg?

 "Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen."
– Loriot"
Wo Loriot recht hat, hat er recht.
Plakate gibt es schon lange.
„Das Spannende ist: Das Plakat ist gar kein so modernes Mittel, wie man annehmen würde. Schon in der Antike gab es Vorläufer, als Kommunikationsform taucht es auch im 16. Jahrhundert in den Niederlanden auf, und zwar bereits für politische Zwecke. Während des Befreiungskrieges gegen Spanien schrieben die Spaniengegner ihre Proteste auf große Zettel, auch bereits mit großen Lettern, und "plakten" sie dann überall an die Wände. Deswegen nannte man sie "Plakatten" – der Ursprung unseres Wortes "Plakat".“ [1]
Hier kann man sich „Wahlwerbung im Wandel der Zeit“ ansehen.
Erste Berührung
Wenn ich an ein "Meer aus Plakaten" denke, denke ich immer an dieses Bild, wobei das „Meer aus Plakaten“ dieses Jahr noch eine ganz andere Bedeutung bekommen hat.
Bild Münster4Life
Landtagswahlen 2012.
Das ist total an mir vorbei gegangen. Ich habe mich erst ein Jahr später mit Politik beschäftigt.

Plakatierung revolutionieren?

Wir haben das Jahr 2014. Am Sonntag sind Kommunal- und Europawahlen.
Zwei Wahlen. Zwei Plakat-Designs - pro Partei.
Jetzt hängt alles voll und zerstört das schöne Stadtbild und nervt Menschen.
Bild: Westfälische Nachrichten

Spannend ist dieses Video hier aus Bochum welches die ganzen Wahlplakate zur Bundestagswahl zusammenzählt. http://www.bochumschau.de/wahlwerbung-wahlplakate-wahn-wald-bochum-2013.htm
Ich glaube, wir sollten mit der Zeit gehen. Ich kenne überwiegend nur Menschen, die die Plakate nerven.
Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Westfälischen Nachrichten Münster.
Quelle: http://www.wn.de/Muenster/1568706-Behindernde-Werbung-Radfahrerin-verletzt-sich-an-Wahlplakat Stand der Umfrage: 23.05.2014 2:25 Uhr
Keinen Politikverdrossenen wird man mit Plakaten an die Politik locken können.
Man kann auch keinen Vegetarier mit Fleisch in ein Restaurant locken.
Der Wahlkampf findet nun parallel auch immer mehr im Internet statt. 
Da machen die Parteien fürchterlich lustige Wahlwerbespots.
Ich finde aber, dass das Plakatieren revolutioniert werden muss.
Ich glaube Plakate sind ein elendes Leid, was man einfach weiter mit sich rumschleppt.
Wie ein Klotz am Bein - weil man den einfach immer dabei hat. Es machen ja alle und man hat es schon immer so gemacht.
Erst mal kann ich aus eigener Erfahrung sprechen:
Mich hat natürlich kein Wahlplakat überzeugt.
2012 war ich glaube ich auch nicht gerade angetan von den Plakaten. Auch, weil ich mich dafür noch nicht interessiert habe.
Zu den Piraten bin ich ganz ohne Plakate gestoßen.
2013 habe ich Plakate selber mit auf- und abgehangen. Es war so nervig. Wir lassen das keine Agentur machen.
2014 bin ich nach wie vor genervt. Ein Plakatenmeer. Diverse Parteien plakatieren das gleiche Plakat an zehn Bäumen. Hintereinander. 
Leere Versprechen hängen da einfach so rum.
WIR BRAUCHEN MEHR LATERNEN UND BÄUME.
In meinem Heimatort aber, wo es keine Piraten gibt, muss ich mich andersweitig umsehen. Da habe ich die Plakate für ein Basiswissen auch genauer unter die Luppe genommen. Zwei Parteien würden in Frage kommen. Alle anderen anhand der Wahlplakate nicht. 
Wieso wundern, wir uns eigentlich, wenn Plakate zerstört werden?
Ich will niemanden dazu aufrufen, noch finde ich das super toll, aber wenn man sich nun in die Lage eines Menschen versetzt:
Plakate nerven: Plakate müssen weg.
Plakate sind sinnlos: Plakate müssen weg.
Plakate haben keinen Inhalt: Plakate müssen weg.
Partei X hat alles noch schlimmer gemacht: Wut wird ausgelassen.
Abgerissene Plakate liegen auf dem Boden und stören Auto und Radfahrer.
Und belasten die Umwelt. Oder verletzen eine Radfahrerin.
Plakate kosten Geld, Zeit und Energie.
Doch: Sollten Plakate gar nicht mehr eingesetzt werden?
Die Idee fand ich ja erst sehr sehr gut. 
Aber durch das nicht aufhängen der Plakate bekommt der ein oder andere Mensch gar nicht nicht, dass Wahlen sind.
Kleine Parteien, die sowieso eher im Unter/Hintergrund sind wie die UWG oder die ÖDP, haben überhaupt keine Chance irgendwie auf sich aufmerksam zu machen oder eher eine viel viel geringere.
CDU, SPD, FDP, Linke, Grüne – vielleicht auch noch Piraten - Kennt man -Weiß man - Wählt man.
Meine Alternative zu den Plakaten an Laternen und Bäumen sind sogenannten „Sammelständer.“
 
 
Eine schöne Alternative wie ich finde. Die Stadt baut die Teile vor der Wahl auf und nach der Wahl wieder ab. Die Parteien kleistern ihre Plakate selber dran (oder ihre Agenturen).
Jede Partei hätte gleiche Chancen zu plakatieren.
Das Stadtbild wird nicht zerstört.
Die Kosten sind geringer.
Papier wird nicht in hohen Massen verbraucht. 
Sie können ggf. überklebt/sprayt (wie jetzt auch) aber nicht so leicht abgerissen werden und sie behindern keine Fahrbahn oder die Sicht auf Straßenschilder oder ähnliches.
Wenn das kleine bisschen ordentlich vom Ordnungsamt kontrolliert wird, kann so was auch nicht mehr passieren:
Eine weitere kostengünstige Möglichkeit Großplakate aufzuhängen, sind Planen und Bauzäune. 
Kleine Parteien mit weniger Geld kommen auf gute Ideen.
Man nehme einen Bauzaun, lässt eine Plane bedrucken und hängt es dann an den Bauzaun. 
Das tolle: man kann sie auch wieder benutzen. In anderen Wahlkämpfen. 

Das "Auseinandersetzen" mit dem Plakat 

Ich möchte auf die Fragen von Ulrich Gelsen antworten: 
„Es ist wieder soweit. Wahlkampf. Und woran erkannt man, dass Wahlkampf ist? Natürlich an den Plakaten. Sie sind das sichtbarste Zeichen. Und leicht zu zerstören. Warum machen Menschen das? Hat das einen Sinn?“
Es ist womöglich blinde Wut die sie auslassen.
Ich zitiere mich selber:
„Plakate nerven, Plakate müssen weg.
Plakate sind sinnlos, Plakate müssen weg.
Plakate haben keinen Inhalt, Plakate müssen weg.
Partei X hat alles noch schlimmer gemacht, Wut wird ausgelassen.“
Es ist eine Art Auseinandersetzung mit der Politik bzw. der Partei, ohne dirket auf einen Menschen anzutreffen und elendes Geschwätz ertragen zu müssen.
Oft werden Plakate auch beschmiert oder bemalt.
Ich sehe das als Feedback – auch wenn es Vandalismus ist. Die Plakate die da hängen gehören immer noch der Partei. 
Ich mag dazu keinesfalls aufrufen.
Ich würde das, was andere Zerstörung von Plakaten nennen, in vier Kategorien aufteilen:
1) Kunst
2) Kritische Auseinandersetzung
3) Beschmieren
4) Zerstören
Kategorie 2 gefällt mir am besten, ich finde das total spannend.
Kunst ist schön.
Beschmieren und zerstören eher doof.
Ich will euch im Folgenden mal zeigen, was ich in welche Kategorie packen würde. Natürlich kann man einiges von 1) und 2) auch zu beschmieren packen. Trotzdem ist es eine kritische Auseinandersetzung. 
Manch einer mag das alles ganz anders einsortieren und weiter hin als Vandalismus abstempeln. Auseinandersetzung hin oder her.

Freitag, 2. Mai 2014

Bunt statt braun - #BlockaDO 1. Mai 2014

Bunt statt braun - #BlockaDO 1. Mai 2014 Nazis sind doof. Das wissen alle. Nur die Nazis selber nicht!
Sandra: Ich war heute auf meiner ersten Nazi-Gegendemo. Also, auf meiner ersten richtigen. Ich habe letztes Jahr in Münster gestanden, als der NPD Truck da war und auch in Gelsenkirchen. Aber diese 8 NPD'ler kann man nicht mit über 400 Nazis vergleichen. Und ich war bei "Kein Meter den Nazis" in Münster. Da aber eher Beobachterin, weil ich meinen Ex-Freund begleitet hat, der ein kleines Video dazu gedreht hat. Ich habe ja immer ein bisschen Angst, wenn ich auf Hundertschaften treffe(n muss). Man sieht ja immer Bilder. Weil irgendwie niemand aus Münster nach Dortmund gefahren ist, habe ich mich Daniel Düngel, Torsten Sommer, Olaf Wegner und David Grade angeschlossen. Menschen, die ich kenne. Es ist wichtig, den Nazis Wiederstand zu zeigen. Diese Menschen haben hier und auch überall anders keinen Platz.
Daniel: 1. Mai, der Tag an dem traditionell die Gewerkschaften den Tag der Arbeit feiern. Seit Jahren aber auch traditionell der Tag an dem Faschisten auf die Straße gehen um ihre hirnrissigen Forderungen abzusondern. Für mich seit Wochen klar: ich werde bei den Gegendemonstrationen dabei sein. Ich entschied mich für Dortmund, weil Dortmund als Nazihochburg gilt und viele Faschisten zu erwarten waren. Nicht zuletzt aber auch, weil die Piratenpartei die Gegenveranstaltung und damit das Bündnis BlockaDO unterstützen. Warum die Unterstützung richtig und wichtig war, werde ich nochmal in einem separaten Blogpost verarbeiten.
Gegen 11:30 Uhr sind wir am Dortmunder Hauptbahnhof mit der S-Bahn Richtung Westerfilde gefahren. Überraschung. Durch die Blockade am Gleis hielt der Zug da nicht (Was uns klar war) aber wir hofften, dass wir eine Station davor oder danach hätten aussteigen können. Satz mit X war wohl nichts. Der Zug hielt in Mengede wo am Bahnhof vereinzelt Polizisten standen. Nach dem wir vergebens einen Bus auf dem Fahrplan gesucht haben, haben wir ein Taxi gesucht und haben vor der Polizeiwache zwei Nazis gesehen. Beobachter. Der Bahnhof in Westerfilde war großräumig abgesperrt. Die Polizei lässt niemanden in die Nähe des Bahnhofs.
Daniel: Ich zücke deutlich früher als geplant das erste mal meinen MdL-Ausweis. Schnell wird klar, als Abgeordneter kommt man natürlich durch. Mit ein wenig Überzeugungskraft gelingt es uns, dass auch Sandra als Begleitperson mitkommen kann. Hierbei werden unsere Personalien festgehalten, was uns in den nächsten Tagen dazu veranlassen wird, eine entsprechende Anfrage an die Dortmunder Einsatzleitung abzuschicken, was mit den Daten passiert. Unsere Erfahrungen aus Hamburg sind ja eher negativ :D Mir ist nach wie vor unklar, was ich davon zu halten habe. Die Polizei möchte uns nicht zu den Gegenmaßnahmen, die größtenteils angemeldet wurden, durchlassen. Die Blockade auf dem S-Bahnhof wurde als Versammlung angemeldet. Warum dürfen wir nicht offiziell an dieser Versammlung teilnehmen??
Als die erste Rutsche Nazis aus der U-Bahn geführt wurden und an uns vorbei, lief dort eine Frau von mitte zwanzig her und versteckte ihr Gesicht hinter ihren Haaren. Ich musste ein bisschen lachen. Wenn man als Nazi/Demonstrant auf eine Nazi-Demo/Demo geht, dann doch, weil man zu 100% dahinter steht? Weil man den Menschen zeigen will: Wir und ich wollen genau DAS. Wir standen lange an der Westerfilderstraße und haben überlegt was wir tun können. Wie wir die Demo aufhalten können. Wir wir das alles abbrechen lassen können. Als fast einzige Möglichkeit sahen wir den Tunnel. Auch wurde eine Blockade angesprochen. Wir waren in diesem Moment 5 Leute. Eine Blockade von 5 Menschen kann nicht viel bewirken. Wenn wir blockieren gäbe es 3 Möglichkeiten: 1. die Polizei würde uns ggf. einkesseln und die Nazis an uns vorbei schleusen. 2. die Polizei fordert uns auf zu gehen und geht dann bei nicht erfüllen der Aufforderung in den letzten Punkt über 3. lässt die Straße räumen und trägt uns weg. Die Nazi Kundgebung war beendet. Die Nazis formierten sich und gingen einige Meter. Daniel setzte sich auf den Boden und schnell folgten die anderen 4 Menschen. Die Aktion war nicht im Vorfeld geplant und relativ spontan am Telefon abgesprochen. Die Grüne Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger kam gerade zufällig vorbei und wir sagten, sie solle sich doch zu uns setzten, was sie auch tat.David verteilte "Nazis stoppen" Postenkarten an uns und der Nazizug stoppte.
Schnell füllte sich die Straße mit Pressefotografen, viele Medien berichteten darüber, dass Landtagsabgeordnete sich den Nazis in den Weg stellten. Verärgert waren wir über die Berichterstattung der Ruhrbarone, die das ganze als PR-Gag wertete. Ein PR-Gag von Menschen, die teilweise schon am Vorabend auf der Straße aktiv waren, die seit 9 Uhr auf den Beinen waren, die teilweise an der Organisation der Gegendemo beteiligt waren? Nein, wir taten dies aus Überzeugung, so wie wir an beiden Tagen an unterschiedlichen Aktionen beteiligt waren. Die bisherige Berichterstattung hierzu nervt und am Ende bleibt für uns nur die Gewissheit, das Richtige getan zu haben - auch wenn man sicher hätte ein wenig länger sitzen bleiben sollen. Aber womöglich können wir tausend mal sagen, wie es war und ihr werdet immer noch der Presse glauben.